Tag 21

Zyklus 1 / Woche 3 / Wochentag 7, Sonntag / Tag 21 der Therapie

Mein Zustand im Überblick

Körperlicher Zustand5%
Mentaler Zustand15%
Übelkeit70%
Verdauung & Appetit25%
Schlaf5%
Fitness5%

Der einundzwanzigste Tag

Dieser Tag wird zum Desaster!

Die Atemnot wird schlimmer. Nach 5 Schritten schwindelt mir und wird schwarz vor Augen. Jeder Schritt wird von hektischem Luftholen begleitet, dabei muss ich mich irgendwo festhalten, sonst schlage ich lang hin. WAS GEHT HIER DENN AB?

Gegen 18 Uhr dann die Entscheidung für die Notfallambulanz. Dieses mal nicht mit dem Rettungswagen, man lernt ja dazu (siehe Tag 17). Meine Frau fährt mich in das behandelnde Krankenhaus.

Dort angekommen, stellt sich der Verdacht auf eine Lungenembolie ein. Bei einer Lungenembolie handelt es sich um Blutgerinnsel (Thromben), welche die Blutgefäße in der Lunge teilweise oder vollständig verschließen können. Der Verdacht wird zur Gewissheit mit der gegen Mitternacht durchgefürten CT-Untersuchung. Die Diagnose lautet am Ende: Massive, fulminante bilaterale Thrombosen mit beidseitigem Arterienverschluss zusammen mit einer Lungenentzündung. Ärztliche Einschätzung: Akute Lebensgefahr!

Tja, soweit zu meiner Erkältung. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Haben diese Blutgerinnsel (Thrombosen) etwas mit meinem Tumor oder der Chemotherapie zu tun? Nach Ansicht der behandelnden Ärzteschaft, ja. Die Thrombose in der Lunge wird dem Blasentumor zugeschrieben. Das Risiko für Thrombosen wird durch Tumore im Körper, je nach Typ und Ausprägung, deutlich erhöht. Mir wurde ein etwa siebenfach erhöhtes Risikopotenzial genannt. Also gibt mein Tumor gerade alles, um mich klein zu kriegen und hat mir eine höchst unfreundliche, kritische Lungenembolie verpasst!

Diesen Erfolg werde ich ihm jedoch nicht gönnen, denn meine Geschichte ist hier noch nicht zu Ende!

Auch wenn die Diagnose fatal ist, nützt es ja nichts. Kann gerade nichts ändern und bin den Medizinern vollständig ausgeliefert. Im Moment habe ich auch keine Vorstellung davon, wohin diese Sache führen und wie es enden wird. Was jedenfalls nicht helfen wird, ist in Panik zu verfallen. Wie gesagt, kann gerade nichts an der Situation ändern. So versuche ich, die ungewissen Aussichten zu verdrängen und an etwas Positives zu denken.

Am Ende des Tages liege ich jedenfalls voll verkabelt und mit Sauerstoffmaske in der Intensivstation der chirurgischen Station II. Ich bekomme Blutverdünner gegen die Thrombosen und Antibiotika gegen die Lungenentzündung. Mein Puls, Sauerstoff und Temperatur sind in Dauermessung.

Die Nacht war toll! Wer schon mal eine Nacht auf der Intensivstation verbracht hat, weiß wovon ich rede. Die Gerätschaften sind unablässig am Piepen, Tuten und Blinken. In der gegenüber vom Bett befindlichen Kabine der Nachtschwester geht dauernd das Licht an und aus, das Telefon klingelt oder es wird ein Alarm ausgelöst. Ich liege aufgrund der Schläuche und Kabel meist in einer unveränderlichen Position in Rückenlage, in der ich noch nie schlafen konnte. Davon abgesehen, bekomme ich aufgrund der Embolie nur schwer Luft und hoffe inständig, dass der Sauerstoffschlauch beim hin und her wälzen nicht abknickt und nicht mehr liefert.

Versuche durch Meditieren abzuschalten und runterzufahren. Habe mich seit zwei Wochen mit der Meditationstechnik der Navy Seals befasst und schon einige Male erfolgreich anwenden können. Dafür brauche ich allerdings Ruhe … und die ist in diesem Höllenspektakel einfach nicht zu finden.

Am Ende hat es selbst das stärkste Schlafmittel, das die hervorragende Nachtschwester auftreiben konnte, nicht gebracht. Natürlich habe ich nicht daran gedacht, meinen Kindle in die Notfallambulanz mitzunehmen. So konnte ich nur vor mich hindämmern. Diese Nacht war einfach nur dafür gut, einen dicken fetten roten Haken dahinter zu machen. So ein Mist ist nicht zur Wiederholung empfohlen.

Bin gespannt, was die Visite am nächsten Morgen für Aussichten eröffnet, … wenn ich diese Nacht denn überlebe.